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Nachtwache

Nachtwache Die Nachtwache kennt das schon
 
 
Nachts im Altenpflegeheim?  Da ist doch nix los. Die schlafen doch eh' alle.
 
Ach, wirklich?
 
Es ist 19.45 Uhr. Schnell umziehen, um 20.00 Uhr geht's los. So, dann wollen wir mal wieder.  
 
Fr. W. begrüßt die Nachtwache mit den Worten: „ Hast du mir was mitgebracht?" Und danach: „ Hast'n Eis?"
Selbstverständlich haben wir. Für die anderen Bewohner im Tagesraum auch. Für Fr. W. mit extra viel Sahne, für Fr. P. ohne. Ganz nach Wunsch.
 
20.15 Uhr. Kurze Begrüßung, Nachtmedikation vorbereiten, Getränke usw... .
Übergabe. Der Spätdienst war anstrengend. Fr. V. kam irgendwie nicht zur Ruhe und Fr. M. wollte mal wieder nach Hause. 

Naja, das Übliche eben. Der erste Rundgang beginnt um 21.00 Uhr.
Getränke anreichen Medikamente geben, es klingelt. Fr. H. kann's mal wieder nicht abwarten. Also einmal nach oben. Sie möchte jetzt schlafen, bekommt ihre Medis und wird zur Nacht vorbereitet. Das war's. Einige Bewohner werden noch zu Bett gebracht, gelagert, mit Inkontinenzvorlagen versorgt. Das dauert seine Zeit.
 
22.30 Uhr. Der erste Rundgang ist fast erledigt. Da ruft jemand ganz laut, Fr. V., die nicht zur Ruhe kommt.
Als die Nachtwache ins Zimmer kommt, ist sie ganz aufgeregt, ruft nach ihrem Mann (der schon verstorben ist) und sagt: „ Der ist bestimmt in der Kneipe versackt und jetzt muss ich auch noch Pipi". Fr. V. wird zur Toilette gebracht und beruhigt sich dann allmählich. Dann schläft sie ein.
Die Nachtwache kennt das schon.
 
23.15 Uhr. So, alles fertig. Jetzt noch Wäschetrockner und Geschirrspüler befüllen und dann Medis stellen für morgen.
Schritte auf dem Flur. Ach, Hr. L. möchte gern zwei Scheiben Brot zur Nacht mit Käse. Kein Problem, Medis stellen wird kurz unterbrochen und Brot geschmiert.
Hr.L. nimmt es in Empfang und ißt es im Laufen. Die Nachtwache kennt das schon. Das macht er immer so.  
 
Also, wo war ich? Ach ja, Medis bis 00.15 Uhr fertig stellen.  
So, das wär auch erledigt, jetzt ist die Dokumentation dran. Schon wieder Schritte, Hr. L? Nein, Fr. M, die nach Hause wollte. Sie hat sich komplett wieder angezogen. Will auf  jeden Fall heute noch nach Hause. Dass Nacht ist, will sie nicht glauben, obwohl es draußen dunkel ist. „ Nein, ist es nicht," sagt sie.
 
Es wird wohl das Beste sein, sie erst mal in Ruhe zu lassen. Die Nachtwache kennt das schon. In einer Stunde hat Fr. M. wieder alles vergessen. Und so ist es dann auch.
Sie ist froh, dass sie hierbleiben kann, sonst hätte sie auch nicht gewußt, wohin.
„Wat'n Glück, dat du kamen büst"(Was für ein Glück, dass du gekommen bist.), sagt sie auf Platt.
Man muss wissen, dass es für eine Pflegefachkraft in der Altenpflege unerlässlich ist, sich mit seltenen Fremdsprachen auseinander zu setzen.
 
So, es ist 1.00 Uhr und der Trockner ist fertig. Heute nur Küchenwäsche, fein, das geht schnell.
 
Da ruft doch schon wieder jemand?! Ah ja, Fr. P.
Sie ist völlig empört darüber, dass man hier nichts zu trinken bekommt. Dass sie ihren Becher vorhin schon fast ausgetrunken hat, hat sie völlig vergessen.
Also gut, dann den Rest auch noch. Vorsichtshalber nochmal nach der Vorlage gucken, sonst ruft sie gleich nochmal. Die Nachtwache kennt das schon. Jetzt ist Fr. P. zufrieden und bedankt sich.
 
Was, schon 1.30 Uhr? Da kann ich ja schon wieder anfangen. Also, zweiter Rundgang.
Im Zimmer von Fr. K. und Fr. M. bemerkt die Nachtwache, dass Fr. K. nicht im Bett ist.   Fr. M. meint: „Keine Ahnung, die ist weg." Ach was, denkt sich die Nachtwache und fängt an zu suchen. Weit kann sie ja nicht sein.
Da fällt ihr ein, dass eine Kollegin mal erwähnt hat, dass sie sich in den Fahrstuhl verlaufen hat.
 
Und siehe da, dort ist sie auch. Leider hat sie den Fahrstuhl fälschlicherweise für die Toilette gehalten, aber die Nachtwache kennt das schon. Sie bringt Fr. K. zu Bett, zieht ihr ein frisches Nachthemd an und wünscht ihr eine gute Nacht.
Dann wird noch der Fahrstuhl gereinigt. Damit ist auch das erledigt.
 
Handtücher für morgen müssen noch verteilt werden. Machen wir mal eben zwischendurch.
 
So, keiner mehr auf dem Flur? Alles ruhig? So, noch den Rest Pflegebericht schreiben... Pause! Juhu! Jetzt ess ich in Ruhe meinen Salat.
 
Es ist 3.00 Uhr. Schritte auf dem Flur.
Hr. L? Nein. Fr. M? Nein. Ah, es ist Fr. S.! Jetzt muss die Nachtwache sprinten, denn Fr. S. ist sehr unsicher auf den Beinen und stürzt schnell. Eine Pflegefachkraft in der Altenpflege hat nämlich die Fähigkeit, zwischen mehreren unterschiedlichen Schrittfolgen zu unterscheiden, noch bevor sie den dazugehörigen Bewohner gesehen hat.
 
Fr. S. war auf dem Weg zur Haustür weil sie der Meinung war es hätte geklingelt. Sie gehen gemeinsam zur Tür. Niemand da!
Fr. S. ist irritiert. Die Nachtwache macht ihr den Vorschlag, ins warme Bett zu gehen. Der Flur ist doch sehr kalt und mit nackten Füßen auf den Fliesen zu laufen sei auch nicht sehr gesund.
 
Fr. S., die selbst Ärztin war, muss ihr da uneingeschränkt zustimmen.
Also wieder zu Bett, zudecken, Gute Nacht. Die Nachtwache kennt das schon. Fr. S. bedankt sich freundlich.
 
So, jetzt aber Salat.

Mittlerweile ist es 4.00 Uhr. Endspurt. Ein letztes Mal Vorlagenwechsel, Lagerung, Getränke anreichen, Katheterbeutel ausleeren, Flüssigkeitsbilanzen ausrechnen.
Bei Fr. St. ist Vorsicht geboten. Am Steiß hat sich ein Hautdefekt gebildet. Also rechts und links lagern, auf keinen Fall auf den Rücken und unbedingt an den Frühdienst weitergeben.
Die Nachtwache kennt das schon.
 
5.30 Uhr. Kaffee anstellen für die Kollegen, Geschirrspüler anmachen. Muß ich noch was eintragen? Ja, so ein paar Sachen, aber das geht schnell.
 
Der Frühdienst trudelt ein.  
 
6.15 Uhr Übergabe. Die Nachtwache erzählt von Fr. V., Fr. M. und Fr. S.. Und natürlich von Fr. K., die sich im Fahrstuhl verlaufen hat.
Auch dass auf den Steiß von Fr. St. geachtet werden muß.
Die Kollegen schreiben sich alles auf. Ein wenig Smalltalk ist noch drin, dann ist es 6.30 Uhr.
 
Feierabend. Endlich!
Heute Abend geht's wieder los. Mal sehen, ob's wieder so gut läuft.
 
Wie war das noch? Nachts im Altenpflegeheim ist nix los? Von wegen!
 
 
Martina Lübke  
Dauernachtwache in einem Seniorenheim